Altersgemischte Lerngruppen

In unserer Schule lernen alle Kinder in jahrgangsgemischten Gruppen, die wir Stammgruppen nennen. In einer Stammgruppe sind in der Regel Kinder aller vier Schuljahre. Eine solche altersgemischte Zusammensetzung entspricht der natürlichen Lebensumwelt der Kinder. Sowohl pädagogische als auch didaktische Gründe sprechen für die Altersmischung:

Im Schulalltag bieten sich in altersgemischten Gruppen besonders vielfältige Anlässe zu gegenseitiger Hilfe und Rücksichtnahme sowie zur Entwicklung von Toleranz, gegenseitiger Achtung und solidarischem Umgang miteinander.

Da es in der Altersmischung selbstverständlich ist, verschieden zu sein, lassen sich Kinder mit Beeinträchtigungen, Kinder mit besonderen Begabungen sowie Kinder aus unterschiedlichen Kulturen leichter integrieren. Vielfalt wird als Reichtum erlebt. Das Kind wird leichter in seiner Individualität wahrgenommen. So ist auch der Schulanfang entspannt, da kein Kind zurückgestellt wird.

Die Kinder können unterschiedlich lange in ihrer Stammgruppe verbleiben und sich in ihrem individuellen Tempo die Lerninhalte erarbeiten. Manche gehen infolge besonderer Begabungen und Fähigkeiten schon nach drei Jahren, die meisten nach vier und einige nach fünf Jahren auf die weiterführenden Schulen, ohne dass sie Unterrichtsstoff sinnlos wiederholen oder überspringen.

Am Schuljahresende verlassen alljährlich einige Kinder die Stammgruppe und eine kleine Gruppe neuer Erstklässler/innen rückt nach, so dass sich das soziale Gefüge nur leicht verändert. Die Grundstruktur bleibt weitgehend erhalten und sorgt für Kontinuität und Stabilität in der Gruppe. Die eingeübten Regeln für das Gemeinschaftsleben werden leicht an Jüngere weitergegeben und von diesen übernommen.

In altersgemischten Lerngruppen erlebt sich jedes Kind einmal in der Rolle des Kleinen, des Mittleren und des Großen. Dadurch gehören alle einmal zu den Jüngeren, die Hilfe erwarten können, und zu den Älteren, die in der Pflicht stehen, Hilfe zu geben.

Ältere Kinder werden durch die Helfer- und Beschützerrolle in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt. Jüngere finden in Älteren oft nachahmenswerte Vorbilder und erhalten vielseitige Anregungen für ihre sozial-emotionale Entwicklung.

Die Kinder geben einander aber auch Lernanregungen und erhalten Impulse zur Ausbildung neuer Interessen. Jüngere Kinder dürfen schon bei den Älteren mitarbeiten, wenn sie dort etwas Interessantes entdecken. Das bewirkt, dass Kinder oft mehr und Anspruchsvolleres lernen, als man ihnen zutraut. Ältere Kinder können ihrerseits bei Lernschwierigkeiten ohne Gesichtsverlust durch die Arbeit mit jüngeren Bekanntes noch einmal üben und Beziehungen pflegen.

Nach Montessori lernt man besonders gut durch das Lehren anderer. Wird ein älteres Kind von einem jüngeren um Erklärungen gebeten, so muss es das eigene Wissen analysieren und verständlich formulieren. Dadurch sieht es die Dinge selbst klarer und festigt sein Wissen. Jüngere Kinder verstehen Erklärungen ihrer Mitschüler/innen oft besser als Erläuterungen der Lehrkräfte, da sie in ihrem Fühlen und Denken, in Sprache, Vorstellungsweise und Ausdrucksvermögen einander näher stehen als Kind und Erwachsener.

Leistungsunterschiede werden in altersgemischten Gruppen leichter akzeptiert. Da einheitliche Leistungsnormen entfallen, werden konkurrierendes Vergleichen und Neid, sowie Überlegenheits- und Unterlegenheitsgefühle eher verhindert. Individuelle Lernwege werden ermöglicht und kooperatives Lernverhalten wird gefördert.